MAI 2015

 

MAI 2015

MÖGLICHKEITEN / BEFINDLICHKEITEN / WEGKREUZUNGEN

UND IMMER WIEDER: DIE FREIHEIT

 

Unsere Sprache

Welche Bedeutung haben die Worte, die wir benutzen? Welchen Klang, welche Farbe? Tragen sie noch eine Geschichte, schmücken sie sich mit Inhalten? Oder sind sie immer gleiche Floskeln, verbraucht und abgelebt? Abgegriffen von millionenfacher Verwendung, verkauft, verbrannt und ausgehöhlt. Haben unsere Worte noch eine Bedeutung? Steckt in dem seelenlosen Geplapper ein Kern eines Gedanken, die Seele aller Dinge, gar ein Stück noch unserer Persönlichkeit?

Nicht die Sprache neu erfinden, aber wo sind sie geblieben, diese makellosen Worte, die uns so wichtig waren, dass wir sie aufschrieben, rahmten und auswendig kannten?

Unser Erleben

Entscheidendes geschieht in unserem Leben zumeist sehr leise, und es lohnt sich, innezuhalten und genau hinzuhören. Die grelle Dramatik von Ereignissen überrollt uns zumeist dann, wenn wir nicht mehr achtsam genug waren für all die leisen, wirklich wichtigen Botschaften.

Doch folgen Worte den Gedanken und die Gedanke den Worten achtsam, finden wir uns unerwartet an einem Punkt wieder, einer Weggabelung, an der die Vergangenheit hinter uns liegt und die noch von der Zukunft unberührt ist. Und wir wären tatsächlich in der Lage, jemand gänzlich anderer zu werden als der, der wir bereits sind. Wir erschrecken vielleicht und halten den Atem an bei einem solchen großartigen Geschenk der Freiheit.

Unsere Erfahrung

Haben wir erst einmal diese Erfahrung gemacht: Vielleicht hüten wir uns dann eher davor, andere mit den oberflächlichen Maßstäben der allgemeingültigen Regeln zu bemessen und billigen ihnen und ihrer Entfaltungsmöglichkeiten dann die gleiche Achtsamkeit und Freiheit zu. Vielleicht finden wir dann Worte jenseits des alltäglichen Geplappers, die uns berühren und füreinander einnehmen. Vielleicht werden wir in unseren Beurteilungen menschlich.