MÄRZ 2015

MÄRZ 2015

 

"Aufrecht gehen/Wi(e)derstehen"

 

LITERATURFRÜHLING

 

Muss sich Literatur verkaufen?

Zählt wirklich nur die blutdürstende Krimimasse, das Thriller-Weltuntergangspanorama, die erotische Nabelschau, die Herz & Schmerz zwischen den Buchdeckeln gepresste Romantik der Buchhandelssupermärkte?

Auch viele Verlage wollen nur verdienen und rechnen so. Die Masse zahlt und zählt und rechnet sich; sie bestimmt den Kurs und die Inhalte. Das mag wohl so stimmen. Aber:

Unterliegt Literatur wirklich gleichen Gedankenzwängen wie die der Hersteller von Socken, Brühwürstchen oder Bierdosen? Verlieren wir uns über Konsumgewohnheiten und billigen Marktstrategien, mit denen wir uns gern ködern lassen, in Zwangsjacken, in denen wir selbst zu Fremden werden können? Folgen den 100.000 Tatortleichen auf allen Kanälen, den grinsenden Alles- und Besserwissern der Kalauerindustrie dann die leeren Worthülsen und diesen wiederum die sprachliche und dann die geistige Verarmung der zu Tode Amüsierten?

Erschrecken Sie nicht, es ist Frühling und wir sind frei. Wirklich frei! Frei darin, uns darüber zu freuen, dass wir lesen und denken können was wir wollen. Noch immer verfügen wir über das kostbare Gut der Meinungs- und Kunstfreiheit und - ganz persönlich - dieses wunderbare Gefühl, mit anderen die Köpfe zusammenzustecken und Lesens- und Bedenkenswertes aufzustöbern. Da gehen so viele Türen auf, da öffnen sich so viele Fenster, unser Blick weitet sich und wir betrachten die Welt mit anderen Augen. Gedankenfreiheit und Glück bemessen sich nicht in den gekauften und vermarkteten Regalmetern Ihrer Buchhandlung, sondern in dem Abenteuer- und Entdeckungsdrang, in der Lust am Lesen und Denken des Buchliebhabers.

In diesem Sinn ist Literatur verkäuflich – Bestseller oder Geheimtipp - , stets ein Schatz, den es aufzuspüren und zu heben gilt. Auch wenn sie manchmal behandelt wird wie die Ware am Stand des Würstchenverkäufers – gilt doch: Es ist Frühling und gemeinsam sind wir so frei und wissen es besser!

(c) Udo Weinbörner