JULI 2017

JULI 2017

 

Aufrecht gehen, wi(e)derstehen:

 

 

 

Wundersamer Sturzflug

 

Dort oben himmelnah

verlässlich eine Abbruchkante,

scharf und abgrundtief ins Höllental,

eine Versuchung jetzt, der Blick ins Weite,

innehalten, umdrehen, weiter sehen,

selbstsicher geworden, ein paar Schritte wagen,

als seien in der Höhe Federn dir gewachsen,

dicht genug, den Aufwind einzufangen,

dich zu tragen; noch einen Standpunkt, mit beiden Füßen

auf Geröll, ungesichert der Blick auf die Welt,

spielzeugklein verlassen, kann es nicht ewig weiter

gehen, bergan bis zu den Adlernestern,

herzschlagdünn die Luft, wo die Wolken ziehen,

die mit federweißen Armen nach dir greifen,

dich schwindelt, du willst fliehen! Und der Punkt,

auf dem du stehst, wird längst zum Strich!

Du wankst und stürzt in jähem Erschrecken,

dorthin, woher du kamst,

dort bist du aber längst ein Fremder

und man kennt deinen Namen nicht.

Sie feiern einen neuen Helden,

einen, der ganz große Schritte wagt,

einen, der jetzt oben steht, um nachzuschauen,

wo die Abbruchkante ist und sich dann weiter wagt.

Man sagt im Tal, der Himmel über ihm sei vollends blau,

er sei der eine, der jede Entfernung ewig neu vermisst.

Wie kindlich doch im Tal der Glaube

an ein Wunder ist.

(c) Weinbörner