JULI 2016

JULI 2016

 

AUF REISEN / WI(E)DERSTEHEN AUFRECHT GEHEN:

Wetterwendig

Komm, lass uns vom Wetter reden,

wenn bei solch‘ verkühltem Sommerregen

selbst die Hühner kleine Eier legen,

mach’s dir auf meiner Couch bequem,

musst dich nicht regen,

allenfalls die rechte Hand verträumt

zum Rotweinglas bewegen.

 

Die Welt verkommt,

selbst Jahreszeiten versäumen ihre Pflichten,

wohl dem, der sich mit gutem Wein belohnt,  

der gnädig stimmt,

Kohlen, Holz und selbst die Heizung schont,

selbst wenn Britannien nicht mehr in Europa wohnt,

in jedem Land bald irgend solch ein Hohlkopf thront,

alkoholbenebelt, mit leicht gelöster Zunge wird man’s schon richten.

 

Du spürst es schon, ich bin verkühlt,

hab‘ mich heute wieder durch den Dreck gewühlt,

von Nationalen, Islamisten, von all den Gierigen und Faschisten

und durch die Titelseiten mit den Opfern und den Todeslisten,

so gern hätte ich dabei etwas gefühlt, gehasst, gestritten oder nur gebrüllt,

doch dieses Wetter spült das alles runter,

die Bitterkeit, die Trauer, allenfalls bleib ich gekränkt,

gerade so, als würd‘ ich schlafwandelnd nicht mehr munter

und hätte mir mein Seelchen nur verrenkt.

 

Komm‘ her zu mir, lass‘ uns vom Wetter reden,

die Welt ist heute rasend blöd, wir stehn‘ daneben

und lass‘ zur Feier dann, ein weiteres Glas uns heben,

zu alt, zu klug, zu schwach, um zu marschieren, lass‘ uns doch einfach leben!

Und welch ein Wunder bei dem kalten Regen

wachsen meiner Liebsten tausend Sommersprossen,

auch trägt sie im Sommer Kleider unverdrossen,

dazu die schönsten Waden,

ach ja, hab‘ keine Zeit, das Treffen heut‘ zum Rotwein?

Den Weltenbrand zu löschen, ein wenig stochern in der Asche …

Völlig ausgeschlossen!

Ein wenig Zweisamkeit mit meiner Liebsten kann nicht schaden …

Mein Freund, hier nimm die Flasche,

rette du die Welt erst mal allein!

 

(c) Weinbörner 2016