AUGUST 2016

AUGUST 2016

 

TEXTE FÜR EINE UNDICHTE ZEIT (GEDICHTE):

 

AUS DER ZEIT GEFALLEN

Meine Uhr blieb stehn‘,

automatisch läuft die Zeit mir Tag und Nacht davon,

so eil‘ ich wichtigen Dingen hinterher

komme oft zu früh, warte dann allein,

rede schnell, versuch‘ die Zeit zu fassen,

fürchte allzu Wichtiges leicht zu verpassen

und kenn‘ kein Schäferstündchen mehr:

es ist verrückt, aber:

ich höre Zeiger und das Uhrwerk ticken,

wenn ich mich nur lege

und alle Tagvögel schlafen,

müde von der Jagd.

 

(c) Weinbörner 2016

 

HERBSTLICHE GEFÜHLE

Es blüht nicht mehr der Sommerflieder,

das Blut der Rosen kommt mit Kisten aus dem Flieger,

draußen wird es Herbst und unerträglich,

zu kühlen Regentagen wird die Seele neblig.

 

Bei Kerzenlicht lässt man sich auf dem Lieblingssessel treiben

oder Kuren gegen Trübsinn sich verschreiben,

so mancher betet für Unsterblichkeit.

 

Gekauft wird, bis die Henkel großer Taschen reißen,

bunt sind die Plakate mit den Sonderpreisen,

der Sonnenuhr fehlen die Zeiger, dafür zu Dutzend

Kaufhausstraßengeiger und Weihnachten ist nicht mehr weit.

 

Versäumtes gilt es, täglich aufzuholen,

vom letzten Sommerwein nippt man verstohlen,

viel gibt’s zu tun und viel zu leiden.

 

Der erste Schnupfen lässt sich kaum vermeiden,

man friert und schuftet mit Entschlossenheit

man sichtet himmelblaue Angebote und wärmende Versprechen,

der Sparpreis längst nicht mehr zu brechen, der nächste Sommer steht bereit,

 

schon sieht man träumend in der Ecke seinen Reisekoffer lächeln.

So reihen sich die Jahre rasch auf bunten Urlaubsbildern,

man müsste, sollte raus und weiß doch nicht wohin.

 

Das Herz ist groß und will nur wildern

und was es fühlt, kann’s oft nicht schildern

und ist gefangen in dem Laufrad drin.

 

(c) Weinbörner 2016